Jorgos Hatzimichelakis
Musiklehrer, Komponist und Künstlerischer Direktor an der Musikschule Petroupoli – der Name dieses ausgezeichneten Vertreters musikalischen Schaffens in Griechenland wird Ihnen viel eher von der Musik, die er für die Zeremonie des Entflammens des Olympischen Feuers komponierte, ein Begriff sein.

GL: Wie sind Sie in Verbindung mit der Zeremonie des Entflammens des Olympischen Feuers gekommen und welche sind Ihre bleibenden Eindrücke davon?
JH: Frau Horss hat dem Komitee für den olympischen Fackellauf den Vorschlag unterbreitet. Ich stehe tief in ihrer Schuld, denn sie schenkte einem Unbekannten, mit dem sie einst zusammenarbeitete und wohl zufrieden war, ihr Vertrauen. An dieser Stelle muss ich meinen Dank auch an den Präsidenten des Griechischen Olympischen Komitees, Herrn Lampis Nikolaou und an den Präsidenten des Komitees für den olympischen Fackellauf, Herrn Jorgos Halkidis aussprechen, denn beide schenkten mir ihr volles Vertrauen.
Während meiner Mitarbeit bei der Zeremonie habe ich viele und wichtige Erfahrungen gemacht. Die größte Erfahrung für mich persönlich bestand darin, dass die wesentlichen, prägenden Ereignisse aus meiner Kinderzeit beleuchtet und zum Leben erweckt wurden – damals ging mein Vater, Kapitän Michalis, während der wenigen Stunden, in denen er zwischen seinen Reisen zuhause war, mit mir in Museen und zeigte mir die archäologischen Stätten.
 
GL: Nach welchen Gesichtspunkten komponierten Sie die Musik für die Zeremonie?
JH: Ich folgte einem einzigen Kriterium: dem Aufbau der Choreografie. Aus diesem Grund orientierte ich mich an den Vorgaben von Maria Horss und arbeitete nicht so wie ich es gewöhnlich tue, nämlich dass sich die Choreografie nach dem zuerst komponierten Werk richtet. Meine Musik folgte einer Reihe von choreografischen Anweisungen, die vor Ort an der für die Tänzerinnen schwer begehbaren archäologischen Stätte gemacht wurden. Daraufhin kristallisierte sich erst die Musik heraus, auf die schließlich die letzten Einzelheiten der Choreografie zugeschnitten wurden. Bezüglich des Stils der Komposition habe ich versucht – nahezu in Manier eines Sehers – unser unzulängliches Wissen über die altgriechische Musik mit der von Ost und West geprägten kulturgeschichtlichen Identität Griechenlands zu verbinden und unter Einbeziehung der heutigen Tendenzen der westlichen Musik in einer schlichten musikalischen Sprache, die für alle Menschen dieser Welt verständlich ist, zu vereinigen. Der Prüfstein war wiederum derselbe: „Gefällt die Musik Maria Horss, gefällt sie den Tänzerinnen, meinen Mitarbeitern, unserer Gruppe, meinen Freunden, meiner Frau und letztendlich mir?“
 

 
       

„Die Bedeutung einer Kultur hat ohnehin nichts mit der Vermarktungsstrategie zu tun, sondern besteht in der kreativen Leistung. Während wir kreativ sind, wählen die Politiker nur das aus, was sie vermarkten wollen. Zum Glück ist es im elektronischen Zeitalter, das wir durchleben, für alle Bürger und also auch für alle Künstler möglich, ihre Vermarktungsstrategie selbst zu bestimmen.“

 
 
 
 
 
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